Traum oder Albtraum, die Zweite!

Es ist jetzt vier Monate her, seit ich mich nach dem Boogie Woogie Abend spontan entschlossen habe, mir ein E-Piano zu kaufen. Dabei war von Anfang an klar, dass der Ausgang dieses Abenteuers ungewiss ist. Aber wie sieht der aktuelle Sachstand aus?

Nach einer ersten Orientierung auf den Tasten ging es mit der Übung zu einem Basslauf los. Dabei wird nur die linke Hand benutzt, um die Begleitung zur späteren Melodie zu spielen. Zunächst wurde nur die Tastenfolge erlernt und nach ein paar Tagen ging das schon recht gut. Irgendwann stellte ich dann fest, dass das einfache und eher mechanische Betätigen der Tasten nicht unbedingt melodisch klang. Also konzentrierte ich mich auf die Anschläge und das Zählen der einzelnen Takte. Und schon stellten sich die ersten Schwierigkeiten ein. Sollten z.B. acht Takte gezählt werden, stellte ich immer wieder fest, dass ich vor lauter Konzentration auf die Melodie schon bei zwölf oder gar fünfzehn Takten angelangt war. Scheinbar nimmt das Spielen mit der linken Hand mehr Konzentration in Anspruch, als ich das erwartet hätte.

Nach einer gewissen Übungszeit geht ein solcher Basslauf immer besser von der Hand, aber man hört auch immer öfter, wo die Probleme in Anschlag und Melodie liegen. Auch wenn irgendwann der Basslauf schon „blind“ gespielt werden kann, gibt es Tage, an denen ein einfaches Kratzen mit der rechten Hand am Ohr ausreicht, um völlig aus dem Takt zu kommen.

Mittlerweile gelingt es mir, fünf unterschiedliche Bassläufe halbwegs sicher mit der linken Hand zu spielen. Und mit der rechten Hand werden Tonleitern und Akkorde geübt. Die größte Herausforderung ist allerdings im Moment, einen Basslauf zu spielen und gleichzeitig mit der rechten Hand einfach einen Akkord anzuschlagen. Es ist unglaublich, welche Probleme die Koordination der beiden Hände aufwirft. Selbst der Gedanke daran, gleich einen Akkord anzuschlagen zu wollen reicht manchmal aus, um völlig aus dem Takt zu kommen. Aber das gleiche Problem haben mir alle Leute, die Klavier spielen, aus ihrer Anfangszeit bestätigt. Der bekannte Boogie Woogie-Pianist Christian Christl hat mir für solche Situationen empfohlen, einfach lächelnd weiter zu spielen und das Problem zu ignorieren. Das gelingt mir allerdings noch seltener als das richtige Zusammenspiel der beiden Hände.

Die Aussagen anderer weiter fortgeschrittenerer Klavierspieler sind zwar tröstend und ermuntern zum weiteren Üben, aber manchmal ist es schon sehr schwierig, geduldig zu bleiben. Und immer gelingt mir das auch zugegebenermaßen nicht. Neben den täglichen Übungen muss ich auch dringend an meinem „Zeitmanagement“ arbeiten. Meistens wird erst dann geübt, wenn alles Andere erledigt ist und ich mich eigentlich gar nicht mehr richtig konzentrieren kann. Und dann fällt mir das Üben um so schwerer.

Insgesamt gesehen macht mir das Spielen aber Spaß und von einem Albtraum bin ich weit entfernt. Ich hoffe, das bleibt auch so.

 

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