Warum eigentlich ein Golden Retriever?

Seit die Entscheidung für einen neuen Hund gefallen ist, kam es bereits mehrfach zu fast immer ähnlich ablaufenden Gesprächen mit bekannten Hundehaltern. Sobald bekannt wird, dass wir wieder einen Hund bekommen, kommt zunächst ein fast schon triumphierendes „Ich habe doch gleich gesagt, dass ihr das nicht lange aushaltet ohne einen Hund!“ Wenn dann auf Nachfrage ein Golden Retriever als Rasse angegeben wird, kommt fast genau so einheitlich die Frage „Wieso denn ein Golden Retriever und kein Bouvier? Eure Bouviers war doch immer so toll!“

Und da ist sie dann wieder, die Frage, warum eigentlich ein Golden Retriever?

Ja, unsere Bouviers waren wirklich tolle Hunde. Und der männliche Part von uns hatte eigentlich bei der Entscheidung für einen neuen Hund einen Bouvier im Sinn. Die Bouviers sind kräftige und wachsame Hunde mit einem urwüchsigen Charakter. Das sie stur und schwierig sind, können wir so nicht bestätigen. Meine Frau hat bei dem zweiten Bouvier die Erziehung komplett übernommen und unser Charlie war super erzogen. Darauf konnte sie mit Recht stolz sein.

Aber da gibt es auch noch die Sicht der anderen. Es ist keine neue Erkenntnis, dass viele Menschen Angst vor schwarzen Hunden haben und sich trotz oder gerade wegen ihrer Ängste aggressiv gegenüber Hund und Hundehalter verhalten. Dabei kommt es dann zu Beschimpfungen oder gar Beleidigungen, obwohl sich der gut erzogene Hund weder gefährlich noch belästigend verhalten hat. Und das kann einem dann den erholsamen Hundespaziergang gründlich vermiesen. Und wenn ein angeleinter Bouvier unerwartet von einem anderen Hund angegangen wird, hat man im ersten Moment mit den urwüchsigen Kräften des Bouviers zunächst einmal Mühe, überhaupt auf den Beinen zu bleiben.

Alle diese Situationen haben wir des Öfteren erlebt und ein in der Regel schwarzer oder dunkler Bouvier mit seinem zottigen Fell hat schon etwas von einem Bären und ist dementsprechend auch prädestiniert, Fremden Angst einzuflößen, was ja in Haus und Hof auch durchaus wünschenswert sein kann.

An dieser Stelle soll jetzt allerdings nicht der Eindruck erweckt werden, als wenn alle Menschen hundefeindlich wären. Wir erinnern uns auch an sehr viele Fußgänger, Radfahrer und Jogger, die sich freundlich bedankt haben, nachdem wir den Hund rechtzeitig zu uns gerufen haben, um erst gar kein ungutes Gefühl bei unserem Gegenüber aufkommen zu lassen.

Es stellt sich aber trotzdem zwangsläufig die Frage, ob bei dem heute teilweise hundefeindlichen Verhalten der Mitmenschen ein Hund allgemein oder gar ein schwarzer, zotteliger und imposanter Hund wirklich eine gute Idee ist. Und ob man bei einer Lebenserwartung des Hundes von mehr als zehn Jahren irgendwann noch in der Lage ist, die Kraft und das Temperament des Tieres zu bändigen, bleibt abzuwarten.

Und wie sieht das bei einem Golden Retriever aus? Die Rasse gilt im Allgemeinen als freundlich und anhänglich. Aufgrund der Erscheinung ruft ein Goldie bei vielen Leuten überwiegend positive Reaktionen hervor und selbst ängstliche Menschen verhalten sich eher neutral. Aber trotzdem ist ein Golden Retriever kein Langeweiler. Er ist hervorragend geeignet für die verschiedenen Hundesportarten, für die Apportierarbeit oder den Einsatz im sozialen Bereich. Auch wenn er wahrscheinlich nicht so wachsam ist wie ein Bouvier, scheint ein Golden Retriever auf den zweiten Blick in der heutigen Zeit wahrscheinlich die geeignetere Hunderasse zu sein. Ein wesentlicher und vermutlich entscheidender Pluspunkt für einen Goldie ist die Tatsache, dass die Dame des Hauses schon bei der Anschaffung des zweiten Bouviers mit dieser Rasse gebliebäugelt hat, auch wenn das damals nicht so offen ausgesprochen wurde. Aber jetzt ist ein Golden Retriever „Erste Wahl“. Und für einen möglichen Einsatz als Besuchshund im Alten- und Behindertenbereich ist ein Bouvier auf Grund seiner Erscheinung eher ungeeignet.

Auch wenn es den vor über dreißig Jahren beim ortsansässigen Tierarzt gesehenen Rüden mit einem riesigen Schädel in der heutigen Zucht wohl kaum noch gibt, sind die Golden Retriever sehr schöne Hunde und als kleines Zugeständnis an die kräftigen Bouviers ist unser Köbes ja ein Rüde.

Wir sind froh über unseren Entschluß und freuen uns auf den Einzug unseres neuen Familienmitgliedes.

 

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